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Rhein Main Presse, Samstag, 1. März 2003
von Börsing Hilmar

Das Land der Legenden entdeckt den Tourismus

Äthiopien: Kirchen wurden aus dem Felsboden gemeißelt / 
Achteckige Gotteshäuser wirken wie das achte Weltwunder

Athopiens „achtes Weltwunder": Die Felsenkirchen von Lalibela sind die Attraktion der „Historischen Route" durch den Norden des Landes
Athopiens „achtes Weltwunder": Die Felsenkirchen von Lalibela sind die Attraktion der „Historischen Route" durch den Norden des Landes

Eigentlich war die Königin von Saba eine äthiopische Prinzessin mit Namen Makeda, und eigentlich war sie nur nach Jerusalem gereist, um von der Weisheit König Salomons zu lernen. Dass der jedoch mit einem Trick die wissbegierige Königin verführte und einen Sohn zeugte, dem seine Mutter nach ihrer Heimkehr den Namen Menelik gab, der dann zum Ahnherrn der äthiopi schen Könige wurde - das alles ist zwar nur Legende, niedergeschrieben im 14. Jahrhundert im Kebre-Nagast-Epos, aber die Äthiopier glauben fest daran.


Dieses zutiefst spirituelle Volk, das seine geistigen Wurzeln im Judentum, im Christentum und im Islam hat, die alle hier mal zuhause waren, lebt seinen Glauben.

Auf Reisen durchs Land trifft man immer wieder auf die acht eckigen, von einem äthiopischen Kreuz gekrönten Kirchen, Stätten auch der Verehrung für mehr als 150 Heilige. Besonders lohnend für eine Äthiopien-Reise ist deshalb die Zeit der großen Kirchenfeste. Die prächtigsten werden am 7. Januar (Weihnachten) und am 19. Januar (Timkat, das heißt Erscheinungsfest) gefeiert, un mittelbar vor der kurzen, bis etwa Mitte März dauernden Re genschauer-Periode. Besonders farbenfroh das Meskal-Fest am 27. September, nach Ende der von Juni bis September dauernden intensiven Regenzeit. Wer dann einmal eingetaucht ist in das Meer aus buntgekleideten Menschen auf dem 100000 Personen fassenden Meskal Square in Addis Abeba (zu deutsch: „Neue Blume"), wo auch Diplo-, maten, Geschäftsleute, Entwicklungshelfer und Vertreter der verschiedensten Welt- und Afrika-Organisationen fasziniert die Darbietungen beobachten, bekommt eine Ahnung von der Spiritualität der Menschen. Ein Eindruck, der sich noch verstärkt, wenn man sich mit dem Landrover über die Schotterpisten durch das von gelben Meskal-Blumen übersäte Land auf den Weg nach Norden macht, anstatt mit der bequemen Fokker 50 der Äthiopien Airlines die stattlichen Entfernungen zu überwinden. Zum Beispiel in das 640 Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis gelegene Lalibela. Von dei einstmals Roha genannten, blühenden und dicht bevölkerten Metropole einer mittelalterlichen Dynastie ist zwar nur ein bescheidenes Provinznest übrig geblieben, aber hier liegen jene weltberühmten Felsenkirchen, die viele das „achte Weltwunder" nennen. 25 Jahre lang, so erzählt unser allwissender Tour Guide Fredy Hess, trieben Äthiopier und Gastarbeiter aus dem Norden ihre Meißel in das Felsgestein um Roha. Dabei machten sie es sich nicht so leicht, nur einfach Höhlen in irgendwelche Felswände zu schlagen. Stattdessen arbeiteten sie sich senkrecht voran und schälten massive Gebäude aus der Tiefe des felsigen Bodens heraus.

Das steinerne Plateau, auf dem sie anfangs standen, war nach getaner Arbeit zum Dach ihres Bauwerks geworden. Die größte der elf Kirchen ist 32 Meter lang und 23 Meter breit. Am schönsten gelungen ist unumstritten Bet Giorgis, das Haus des HI. Georg. Zunächst war ein zwölf Meter tiefer, rechteckiger Graben in den Felsboden geschlagen worden, der in der Mitte einen monolithischen Block stehen ließ Den bearbeiteten tlieiSteinmetze dann mit ihren,«infachen Werkzeugen, bis eine Kirche mit kreuzförmigem Grundriss mit Stufen, Türen, Fenstern und Friesen übrig blieb. Ja, sie blieb übrig! Ein reiner Monolith - das heißt, nirgendwo wurde etwas hinzugefügt. Das Bauwerk entstand außen und auch innen allein durch Fortnehmen!

Nähert man sich dieser Kirche, so erkennt man zunächst nur ihr Dach mit den drei ineinander gelegten Kreuzen. Und erst beim weiteren Nähertreten wird der Blick frei auf die Fassade, die sich unter einem darbietet. Wahrlich ein faszinierendes Bauwerk, eines von elf!

Die Kirchen von Lalibela sind keine toten Denkmäler. Bis heute werden sie von den strenggläubigen orthodoxen Christen als Gotteshäuser genutzt. Immer wieder sieht man Passanten, die kurz innehalten, sich zur Kirche hinab verneigen und bekreuzigen. Touristen sind hier eher selten. Denn für viele ist Äthiopien nicht zu Unrecht ein Synonym für Hunger und Armut, ein Land, in dem Unicef, World Vision und „Menschen im Menschen" ihr endlos scheinendes Betätigungsfeld haben, obwohl mit der Demokratisierung auch die Landwirtschaft neue Wachstumsimpulse erhalten hat. Aber noch sichert vor allem der Regen die existenziellen Lebensgrundlagen.

Ein Rausch von Farben offenbart sich dem Besucher des Meskal-Festes, wenn alljährlich am 27. September Zigtausende von Gläubigen im Zentrum von Addis Abeba zusammenströmen.
Ein Rausch von Farben offenbart sich dem Besucher des Meskal-Festes, wenn alljährlich am 27. September Zigtausende von Gläubigen im Zentrum von Addis Abeba zusammenströmen.
 

In Addis Abeba hat man inzwischen auch erkannt, welche Chancen der Tourismus bietet, gerade, wenn es am Ende der großen Regenzeit im September allenthalben grünt und blüht und vor allem im klimatisch besonders angenehmen Hochland die Ursprünglichkeit dieses faszinierenden Landes und seiner Menschen einen eigentümlichen Zauber verbreitet. Noch hat kein Massentourismus das Land verändert, die Lebenskultur verfremdet. Noch empfangen ungekünstelte Gastfreundlichkeit und nicht Aufdringlichkeit und Nepp den Besucher. Außerhalb von Addis Abeba ist überdies das Leben für Touristen ausgesprochen billig und den Fullservice der Nobelherbergen in der Hauptstadt vermisst hier kaum jemand.

In den kleinen Hotels in Axum und Lalibela, Gondar oder Bahar Dar am Lake Tana wird morgens meist trockenes Brot mit Tee serviert, mittags mit etwas Glück Rührei, Brot, eine Suppe und etwas Obst, und am Abend dann die Hauptmahlzeit: lnjera mit scharfer Soße und Fleischstückchen, lnjera ist die äthiopische Lebensgrundlage, ein elastischer, etwas säuerlicher Fladen in grau-beige mit poröser Oberfläche. Hauptbestandteil der lnjera sind die Samen des grasähnlichen Teff-Getreides, das nur in Äthiopien angebaut wird.

Schade übrigens, dass man in dem so herrlich ruhig daliegen den Lake Tana nicht baden kann. Wie fast alle stehenden Gewässer Afrikas ist auch die ser See verseucht mit Bilharziose-Erregern.

Die Einheimischen scheint das nicht zu stören. Beim Fi schen und auf dem Weg zum Markt gleiten sie über den See in Schilfbooten, die sich schnell vollsaugen und die Besatzung halb im Wasser sitzen lassen. Diese „Tankwas" genannten Boote sind nach einer längeren Fahrt so getränkt, dass sie vor der Heimreise stundenlang in der Sonne getrocknet werden müssen.

Sehenswert sind die Insel klöster im See, seit uralter Zeit spirituelle Zentren des äthio pisch-koptischen Christentums. Allen voran das Kloster Narga Selassie mit einer idyllischen Inselkirche und zwei Wassertoren. Der Tana-See ist der Quell-See des Blauen Nil, insofern das kaum bekannte Pendant zum Victoria-See, aus dem in Uganda der Weiße Nil entspringt. Kurz nach seinem Austritt aus dem See stürzt der Blaue Nil bei Tis lssat (das bedeutet: Wasser, das raucht) mit eindrucksvollem Tosen 45 Meter in die Tiefe.

In Bahir Dar trennen sich der Nil und die Hauptpiste. Während sich die gut befahrbare Schotterstraße weiter durch das hoch gelegene Landeshauptstadt windet, gräbt sich der Fluß immer tiefer in das Hochland ein und schafft so traumhaft schöne Täler und Canyons.

Das Land mit seinen acht Nationalparks und drei großen Wildreservaten bietet dem Besucher eine verschwenderische Fülle an Tieren und Pflanzen. Von der traumhaft gelegenen Bishangari-Lodge am Lake Langano aus, etwa eine Autostunde südlich von Addis, vermittelt ein zweistündiger Weg in den nahen „Dschungel" un- vergessliche Eindrücke von Flora und Fauna dieses Landes, dessen schroffe Berge nicht nur die Menschen vom übrigen Afrika abgeschirmt haben.

Anders als an den stark frequentierten Touristen-Pfaden der klassischen Reiseländer Afrikas ist das Wild noch unbefangen, ohne Routine im Umgant; mit neugierigen Europäern, Asi aten und Amerikanern. Gleiches gilt für die Menschen Äthiopiens: Gebettelt wird vor allem in Addis Abeba.

Draußen auf dem Land begegnet man dem Fremden mit unaufdringlicher Freundlichkeit und zeigt ihm gern voller Stolz die Naturschönheiten und kulturhistorischen Schätze eines Landes, das den Vorzug hatte, als einziges in Afrika nie ganz von fremden Mächten koloni siert worden zu sein.

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