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General Anzeiger Bonn, Samstag, 15. Oktober 2005
Text & Fotos von Victor Francke

Atlantis der Wüste

In der Antike exportierte der Oman vor allem Weihrauch, heute verlassen riesige Öl-Tanker den Hafen der Hauptstadt Masqat.

 

Atlantis der Wüste
Atlantis der Wüste

 Das Sultanat am Golf setzt zudem auf den Tourismus

Häbib ist in seinem Element. Lachend jagt er mit seinem PS-starken Geländewagen mit mehr als 100 Stundenkilometern über die Wüstenpiste, um plötzlich an einer 45 Grad steilen, gut 100 Meter hohen Düne halt zu machen. Kurz entschlossen sucht er einen geeigneten Weg auf den Dünenkamm. Dann geht es abwärts. Steil abwärts. Habib hält den Wagen schnurgerade. Ein Fehler, und das Fahrzeug würde sich zur Seite drehen. Und dann gäbe es kein Halten mehr. Mit einem jugendlichen Jauchzen erreichen Habib und seine Mitfahrer mit ihrem Jeep wieder die Waagerechte. Keine Frage: Dune-Driving gehört zu den Wüstenabenteuern der modernen Art im Oman.

Dort ist der 21 -jährige Habib zu Hause. Im Land der Tradition und der HighTech, im Land der in einfachen Zelten lebenden Beduinen und der in Prunkbauten residierenden Scheichs, im Land des Weihrauchs und des Erdöls, im Land, in dem sich Tradition und Moderne ohne Widerspruch gegenüber stehen.


Der Reichtum des Wüstenstaates Oman ist im wahrsten Wortsinn gepumpt. 75 Prozent der Staatseinnahmen fließen aus dem Ölgeschäft in die Kasse des Sultanats, an dessen Spitze Qabus bin Said bin Taimur AI Said steht. „Zweimal habe ich ihn gesehen", erzählt Habib mit Ehrfurcht. Es war in der Hauptstadt Masqat - vor einem der aus Tausend und einer Nacht stammenden acht Paläste, die der König aus dem Morgenland bewohnt. Der Monarch regiert als oberster Herrscher unumschränkt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef zugleich. Politische Parteien gibt es im Oman nicht. 

Geschäftig: Vor allem freitags, wenn Markt ist, pulsiert in der Stadt Nizwa das Leben
Geschäftig: Vor allem freitags, wenn Markt ist, pulsiert in der Stadt Nizwa das Leben
Idyllisch: Ein Beduine mit seiner kleinen Schafherde mitten in der Wüste
Idyllisch: Ein Beduine mit seiner kleinen Schafherde mitten in der Wüste

Öl in vermutlich 20 Jahren dort auch nicht mehr. Deshalb baut der Sultan auf das Erdgasgeschäft - und den Tourismus. Mit dem Petro-Dollar hat der Oman in den vergangenen Jahrzehnten eine erstaunliche Infrastruktur und einen vorbildlichen Sozialstaat geschaffen. Immerhin ist das Land am Arabischen Meer erst seit 1968 im lukrativen Erdölgeschäft. In der Antike lieferte der Staat am Golf von Oman Weihrauch nach Mesopotamien, nach Ägypten und nach Rom. Heute verlassen riesige Öl-Tanker den Hafen von Masqat in Richtung USA oder Rotterdam.

Habib hat mit Öl nichts zu tun. Wohl aber mit dem Tourismus, der Omans Zukunft sichern soll. In Masqat, einem der heißesten Orte der Erde, fährt Habib die noch nicht so zahlreichen Gäste zu den Sehenswürdigkeiten der alten Stadt, in der sich

eigentlich nur neue Häuser und Residenzen befinden. Perfekte Straßen, blitzblanke Autos, eine auffallende Sauberkeit prägen das Bild. Selbst die Khor-Moschee, ein Monumentalbau, der 5.000 Gläubigen Platz bietet, ist erst wenige Jahre alt. Alles, was den Touch des Rückschritts, des nicht mehr Zeitgemäßen, des zu sehr Althergebrachten hat, ließ der Sultan entfernen. Der Oman soll für das Moderne stehen, für einen Staat, der auf Gegenwart und Zukunft und nicht auf Vergangenheit ausgerichtet ist.

Das AI Bustan Palace Hotel, ursprünglich geplant als Gästehaus für die Staatsoberhäupter und Sultane der Golfstaaten, befindet sich im Eigentum des Sultans. Das Haus empfängt seine Gäste mit märchenhaftem Luxus. Acht goldeingefasste Tore führen ins offene Atrium von den Ausmaßen eines gotischen Doms. Verspiegelte Säulen recken sich viele Stockwerke bis zur 38 Meter hohen Zwiebelturmkuppel, einem kunstvollen weißen Dach, das sich bei Dunkelheit in einen leuchtenden Sternenhimmel verwandelt.

Die Wasserhähne der Suiten sind vergoldet, die Böden bedeckt edles Parkett oder weißer Marmor. Die Wände zieren bunte Mosaikfliesen und kunstvoll geschnitzte Möbel. Kräftige Farben und geschmiedete Lampen sind Zeichen arabischer Wohnkultur. Unzählige Frauen webten über Jahre am kreisrunden, im Foyer liegenden Teppich, dessen Durchmesser gut und gerne 50 Meter beträgt.

Wenngleich auch dieses Hotel zu den Sehenswürdigkeiten zählt, so ist doch die ursprüngliche Schönheit des Landes die Hauptattraktion: Eine spektakuläre Szenerie aus pittoresken Steinformationen, riefen Schluchten, endlosen Steppen, goldgelben Dünen, sattgrünen Oasen, kilometerlangen Sandstränden, steilen Küstenklippen und türkis schillernden Meeresfluten bietet sich dem Betrachter.

Habib lenkt den Jeep zur Tankstelle. Umgerechnet 23 Cent kostet der Liter Super. Dann geht es weiter zum Fisch-, Hühner-und Gemüsemarkt. Es sind ausschließlich einheimische Produkte, die dort und in den Basaren angeboten werden. Die Fischhalle strömt einen unangenehmen Geruch aus, die Verkäufer nehmen den gerade von den Booten hereingebrachten Fang aus. Thunfische und Haie werden zerlegt, wenige Meter weiter werden zappelnde Hühner geköpft und zum Ausbluten in Trichter gesteckt. Für einige Rial wechselt die Ware den Besitzer. Ohne Hektik, ohne Geschrei, ohne Aufdringlichkeit. Wie alles im Oman. Es ist die Entdeckung der Langsamkeit.

Salalah liegt im Süden, etwa 1.000 Kilometer von Masqat entfernt. Es ist die Heimatregion des Weihrauchs. Die Königin von Saba soll einen ihrer Paläste 140 Kilometer entfernt, in Mirbat, gehabt haben. In einer malerischen Bucht, von der aus die schöne Dame vermutlich ihre Reise zu König Salonion antrat, befinden sich eingezäunt die Trümmerreste der einstigen Residenz, die vor mehr als 3.200 Jahren erbaut wurde. Nahezu 4.000 Gegenstände aus der Zeit der sagenumwobenen Königin, aber auch aus noch viel früheren Epochen wurden in der Region gefunden - Keramiken aus Syrien und gar China, auch eine unbekannte frühsemitische Schrift.

Gleich in der Nähe von Salalah, hoch in den Bergen, befindet sich das Grabmal des Propheten Hiob. Weder der Palast der Königin von Saba noch das Grab des Propheten sind touristisch wirklich erschlossen. Der Oman steht immerhin erst am Beginn des Aufbaus dieses Wirtschaftszweiges.

 

Malerisch: Blick auf eine von vielen Buchten auf dem Weg von Salalah nach Westen
Malerisch: Blick auf eine von vielen Buchten auf dem Weg von Salalah nach Westen
Heiß: Unter der Mittagssonne macht der Rastplatz jeder Sauna Konkurrenz
Heiß: Unter der Mittagssonne macht der Rastplatz jeder Sauna Konkurrenz

Und so kommt es, dass auch Ubar, ein bereits in der Bibel und im Koran erwähnter Ort, als Ausgrabungsstätte noch nicht so recht ins Besichtigungsprogramm auf genommen ist. Erst 1992 wurde die Stätte mit modernster Satellitentechnologie geortet. Wer dieses „Atlantis der Wüste" etwa 200 Kilometer nördlich von Salalah besucht, ist dort alleine inmitten der 4.000 Jahre alten Trümmer, die von der wichtigen Stadt entlang der Weihrauchstraße übrig geblieben sind. Ohne Zweifel: Der im Sand versunkene Ort beflügelt die Fantasie des Betrachters.

 

Wieder zurück in Masqat wartet Habib, der einem fröhlichen Leben gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Wie seine Freunde trinkt er hin und wieder (heimlich und auf unüblichen Wegen herbeigeschafften) Alkohol oder raucht eine Shita. Zwar liebt er sein Land, doch engt es ihn auch ein. Der Vater und der große Bruder lassen ihm seiner Meinung nach zu wenig Spielraum im Leben.

Auch liebt Habib die Frauen. Doch von ihnen ist unter dem schwarzen Schleier zumindest in der Öffentlichkeit nicht gerade viel zu sehen. Gerne hätte er außerdem gleich mehrere Frauen und insgesamt 20 Kinder. „Ich muss sie aber auch versorgen können", weiß er, und das schafft er mit seinem Gehalt als Fremdenführer nicht. Deshalb überlegt er, das Land zu verlassen.

Riesig: Die Khor-Moschee bietet 5.000 Gläubiqen Platz
Riesig: Die Khor-Moschee bietet 5.000 Gläubiqen Platz

Toronto in Kanada könnte er sich als Zielort vorstellen oder London in England. Dann lacht er und fährt mit seinem Jeep in die Hitze der omanischen Nacht hinaus.

 

Karte Oman
Karte Oman

Reisezeit

Im Sommer können die Temperaturen auf bis zu 50 Grad Celsius steigen, die Luftfeuchtigkeit erreicht Werte von bis zu 95 Prozent Im Winter (Okt. - M ä rz) sinken die Temperaturen und entsprechen mitteleuropäischen Sommerwerten
Hauptreisezeit: November bis März

Aktivitäten

  • Dune-Driving: Geländewagentouren durch Sanddünen stellen hohe Anforderungen an den Fahrer
  • Trekking: Ausgewiesene Wanderwege im Hajar-Gebirge gibt es nicht. Einheimische Führer kennen den Weg
  • Golf: Passionierte Golfer kommen auch im Oman auf ihre Kosten
  • Wadibashing: aufregende Fahrten mit dem Geländewagen, die gemietet werden können. Gutes Kartenmaterial, in dem ein genaues Bild der Wadis gezeichnet wird, ist nicht erhältlich. Den Wetterbericht sollte man aufmerksam verfolgen, denn bei Niederschlägen verwandeln sich die Wadis schnell in tödliche Fallen.

 


 

 

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