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Box Sport, Samstag, 1. November 2003
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Mein Abenteuer am Kilimanjaro

Sven Ottke erzählt ...
Sven Ottke erzählt ...
Vielleicht war ich mal wieder zu vorlaut. Ich habe sofort „Hier, das mach ich" geschrieen, als das Angebot kam. Großartig darüber nachgedacht habe ich nicht. Okay, der Kilimandscharo ist 5895 Meter hoch und ich war erst wenige Tage vorher zwölf Runden mit Mads Larsen gegangen, aber ich bin ja schließlich Leistungssportler. Ich habe meine sieben Sachen zusammengepackt, und ab ging's nach Afrika, den Berg hoch.

Ich wollte einfach mal sehen, wo meine Grenzen sind. Im Ring hat sie mir ja noch nie jemand aufgezeigt. Am Machame Gate geht's los. Mit dem Auto wurden wir, außer mir noch sieben andere Touristen, auf 1.800 Meter Höhe gebracht. Ab jetzt müssen wir laufen. 91 Kilometer liegen vor uns, sechs Tage Fußmarsch. Zum Glück sind noch die einheimischen Träger dabei. Fünf Dollar bekommen sie pro Tag fürs Gepäck schleppen. Ich bin der einzige der Gruppe, der seinen Rucksack selbst trägt. 15 Kilogramm habe ich auf dem Rücken, als ich den Berg hochklettere. Neben mir läuft immer Dismas, mein persönlicher Bergführer. 50mal war er schon oben am Gipfel.

Ausgerüstet mit zwei Stecken und 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken kletterte Ottke den Kilimandscharo hoch
Ausgerüstet mit zwei Stecken und 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken kletterte Ottke den Kilimandscharo hoch
Einer der Träger
Einer der Träger
 

Eigentlich läuft es ganz gut. Das wichtigste ist: Man muss sein persönliches Tempo, seinen persönlichen Rhythmus den Berg hinauf finden. Das ist wie bei einem Dieselmotor, der darf nicht zu schnell und nicht zu langsam laufen. Wenn ich das richtige Tempo finde, dann laufe ich bis ich schwarz werde. Ich bin ja auch ein Berggeher, kein Bergsteiger. Meine Reisegruppe bleibt weit hinter mir. Ein paar Mal habe ich sogar die Träger eingeholt, die vorlaufen und schon mal die Zelte aufbauen, bis die anderen da sind. Ich sehe eben alles als sportliche Herausforderung. Wenn ich einen Berg besteige, will ich einfach nur oben ankommen. Augen zu und durch. Sinn für die Landschaft habe ich da nicht. Die Anstrengung hält sich wirklich in Grenzen, nur der Puls geht viel schneller. Die ersten Tage waren pille-palle. Richtig grausam sind aber die Nächte dort oben. Eiskalt ist es im Zelt. Also Pullover an und ab in den Schlafsack. Geht aber nicht, denn dann schwitzt man sofort. Also Pullover aus. Und prompt friert man. An Schlaf ist kaum zu denken. Gegen ein Uhr bin ich immer wach und total fit, eigentlich könnte ich schon loslaufen. Aber wir sind in zwei Gruppen aufgeteilt, die langsame wird um elf geweckt, die schnellere mit mir um eins. Aber morgens stehe ich immer als erster vor dem Zelt, während die anderen noch versuchen zu schlafen. Wenn man sich den Berg so anschaut, sieht's aus, als könnte man da in einem Tag rauf und wieder runter flitzen. Richtig Bock hätte ich jetzt auf 'ne heiße Dusche.

Aber nix da, hier muss man ohne Dusche auskommen. Auch das Klo ist eine Klasse für sich. Ein Loch im Boden, Klappstuhl mit Klobrille drauf, Vorhang drum und fertig ist die Bergtoilette. Und was macht der Ottke? Kracht mit dem ganzen Ding erst mal zusammen.Kurz vor dem Gipfel fühlst du dich wie ein Rentner. Man schiebt nur noch mühselig einen Fuß vor den anderen. Ich bin total platt kurz vor dem Gipfel, total am Ende, richtig satt. Meine Getränke sind eingefroren, ich habe einen Hungerast. 22 Grad unter Null sind es hier oben, mein Körper schreit. Endlich sehe ich das alte Holzschild „Gratulation, Sie sind jetzt am Uhuru Peak". Geschafft! Der Gipfel! Pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir oben, über den Wolken. Und es ist schöner als ich es je erwartet hätte. Da oben glaubst du, du brauchst Jahre, um wieder zu Kräften zu kommen. Aber weit gefehlt, ich bin schnell wieder fit. Gut so, denn für mich geht's gleich weiter. Der Box-Weltmeister ganz klein: Vor den Urwald-Riesen sieht selbst ein Doppelchampion aus wie ein Zwerg
Der Box-Weltmeister ganz klein: Vor den Urwald-Riesen sieht selbst ein Doppelchampion aus wie ein Zwerg
 

 Vom Kilimandscharo nach Berlin, zur „Goldenen Henne". Im Friedrichstadtpalast bekomme ich die Auszeichnung in der Kategorie „Sport". Eine Riesen-Ehre für mich! Die „Goldene Henne" ist schließlich Deutschlands größter vom Publikum verliehener Medienpreis. Die Leser von „SUPERillu", „Super-TV" und die Zuschauer vom MDR haben mich gewählt. Vielen Dank! Nur leider habe ich mich in meiner Dankesrede bei der anderen „illu", bei der „Blitzillu" bedankt. Das war Weltklasse! Die Leute lagen vor Lachen kreuz und quer auf den Sitzen. Übel genommen hat's mir keiner, ist ja menschlich. Auch Chefredakteur Jochen Wolff nahm's mit Humor. „Sven - deine Worte trafen mich wie der Blitz", sagte er nach meinem Versprecher. Außer mir wurden noch Katarina Witt (Entertainment), Armin Mueller-Stahl (Film), Wolfgang Stumph (Fernsehen), Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (Wirtschaft), Nena (Musik) und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi (Politik) ausgezeichnet.

ach der Preisverleihung dann endlich Urlaub! Am nächsten Morgen geht's gleich wie jedes Jahr ab in den „Club der Besten" von Robinson, ab nach Tabarka in Tunesien. Alle deutschen Medaillengewinner 2003 werden dorthin eingeladen. Alle Spitzen-Athleten kommen da zusammen, eine Klasse-Stimmung herrscht da. Hier fühle ich mich wohl! Den ganzen Tag Sport, Krafttraining, das ist was für mich, das ist was für den Sport-Verrückten. Einfach nur abhängen ist nichts für mich, ich brauche immer Bewegung, immer eine Herausforderung.

Die nächste wartet schon auf mich, in meiner Heimatstadt Karlsruhe. Thomas Gottschalk mit „Wetten dass...?" ist da, Regina Halmich und ich leiten die Saalwette. Am Samstag-Abend sollen alle Beamten, die im Rathaus arbeiten, an ihren Arbeitsplatz kommen. Ich hätte nicht gedacht, dass die Karlsruher so durchdrehen! Wir riefen und alle kamen. Tja, Tommy, Pech gehabt!

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